Unterwegs

Bad Gastein

30. März 2017
Bad Gastein

„In 1.000 Metern links abbiegen.“

Seit vier Stunden sind wir unterwegs. Vom Hopfensee an ging es vorbei an Schafherden und Rindern, meist bergauf und seltener bergab, entlang des Chiemsees in Richtung Österreich.

„In 300 Metern links abbiegen.“

Wir haben auf Anikas Rat an der Raststätte Irschenberg gehalten und den besten Autobahnkaffee zwischen München und Salzburg getrunken. Wir haben eine Vignette gekauft, 8,90 Euro für 10 Tage, die Grenze hinter uns und Salzburg links liegen gelassen. Und nun ist es soweit. Dieser besondere Moment, von dem schon viele erzählten.

„Jetzt links abbiegen.“

Wir fahren in den Tunnel, unter dem Berg hindurch. Der Lichtpunkt am Ende wird größer und größer und dann sind wir da: im Gasteiner Tal. Breit ist es, breiter als gedacht, aber die hohen Berge links und rechts laufen in der Ferne immer näher zusammen. Ein Gebirgsbach strömt durch grüne Wiesen und nur eine Baustelle erinnert an den Alltag.

Und dann passieren wir das Ortsschild. Bad Gastein.

Dieser legendäre Kurort des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Besucht von Kaiser Wilhelm I., Stefan Zweig und Franz Schubert. Irgendwann eingeschlafen, eingemottet und fast vergessen, dort im einsamen Tal, irgendwo auf dem Weg von Salzburg nach Zell am See.

Und in den letzten Jahren aus dem Dornröschenschlaf geweckt. Von Kreativen und Hoteliers, von Großstadtausteigern und Einheimischen, die an ihre Heimat glauben. Von Friedrich Liechtenstein mit einem Konzeptalbum gewürdigt, von Dutzenden auf Instagram abgelichtet, von Trendmagazinen abgefeiert.

Obwohl – oder vielleicht auch gerade weil – die alten Prachthotels im Ortskern noch immer vor sich hin bröckeln, das Badeschloss vernagelt ist und ein morbider Charme wie ein Strohballen im Western durch die Straßen weht, untermalt vom endlosen Donnern des Gasteiner Wasserfalls.

Es ist aber auch viel zu schön im Gasteiner Tal, mit seiner Mischung aus Nostalgie und Zeitgeist, dank der Ruhe und der atemberaubenden Natur. Wir holen uns einen Kaffee im Blonde Beans, einem kleinen Coffee Shop am Bahnhof und Teil des modernen Bad Gasteins. Geführt von zwei Schwedinnen und einem Neuseeländer, die sich einst in den Ort verliebten, blieben und nun ofenfrische Kanelbullar und perfekten Flat White servieren.

Dann fahren wir mit der Bergbahn auf den Stubnerkogel*, dessen Gipfel gut 1.000 Meter über dem Ortszentrum liegt, wandern über die Hängebrücke mit Blick auf den Großklockner und über kleine Wege runter zur Mittelstation, vorbei an grasenden Kühen und Pferden, sammeln Blaubeeren, die hier Schwarzbeeren heißen, und genießen die Spätsommersonne.

Am nächsten Tag geht es vom Haus Hirt, unserem charmanten Hotel, hoch auf die Poserhöhe. Dort soll es den besten Kaiserschmarrn der Gegend geben. Und das ist nicht geflunkert – nach dem strammen Marsch hoch zur Hütte schmeckt er vielleicht sogar doppelt so gut. Trotz der Schwarzbeerschorle kommen wir schnell wieder ins Schwitzen: Der Bergführer erzählt uns vom Wirt der Poserhöhe.

Die Hütte wurde schon zu dessen Schulzeiten von seiner Mutter betrieben, die noch heute im hohen Alter hinter dem Herd steht. In den Sommermonaten wohnten sie durchgehend auf dem Berg. Und so musste er jeden Morgen von der Poserhöhe runter zum Unterricht steigen und nach der letzten Stunde wieder hinauf kraxeln. Was das gibt? Klar, stramme Waden!

Zum Abschluss der Zeit im Gasteiner Tal geht es zunächst nach Sportgastein. Im Winter ein traumhaftes Skigebiet, im Sommer ein Paradies für Wanderer. Gebirgsbäche strömen angenehm kühl durch die Ebene, Kühe liegen verträumt in der Sonne. Wir steigen nicht auf einen Berg, sondern nehmen die lange Runde durch die Ebene, wunderschön umschlossen von den Gipfeln der Hohen Tauern.

Danach ist für die müden Füße Entspannung angesagt: in der Felsentherme Bad Gastein*. Das Thermalwasser, liebevoll flüssiges Gold genannt, entspringt aus 18 Quellen der umliegenden Berge und landet mit Temperaturen bis 34 °C in den verschiedenen Becken der Felsentherme. Das vielleicht schönste: die Außentherme mit unter der Wasseroberfläche verborgenen Relaxliegen und Blick auf den Stubnerkogel. Der perfekte Abschluss nach drei Wandertagen im Gasteiner Tal.

Und dann werden die Koffer wieder gepackt. Es geht ein letztes Mal ins Blonde Beans, Kaffee und Zimtschnecken für die Fahrt, dann rollt das Auto hinunter ins Tal. Die Berge rücken weiter und weiter zur Seite. Der Tunnel naht. In 300 Metern rechts abbiegen. Zurück auf die Autobahn. Zurück in den Alltag. Bis zum nächsten Mal an diesem erholsamen, wundervoll aus der Zeit geratenen und doch nicht altmodischen Ort.

Bad GasteinBad Gastein Bad Gastein Bad Gastein Bad Gastein Bad Gastein Bad Gastein Bad Gastein Bad Gastein Bad Gastein

*Visit Gastein hat uns zur Fahrt auf den Stubnerkogel und in die Felsentherme Bad Gastein eingeladen.

You Might Also Like

No Comments

Leave a Reply